Zwischen Tinte, Tönen und Chaos
- Angela Ostermann

- 25. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

Es gibt Momente, da sitze ich einfach da und denke: Wie zur Hölle bin ich eigentlich hier gelandet? So ging es mir vor ein paar Tagen, als ich mein eigenes Lied auf Amazon Music gehört habe. Und ich saß da mit diesem völlig absurden Grinsen im Gesicht und dachte nur: Was passiert hier gerade? Weil ich ursprünglich doch einfach nur mein Buch schreiben wollte. Wirklich nur das. Eine Geschichte erzählen. Mehr nicht. Gut, daraus wurden inzwischen mehrere Bücher. Dann kam irgendwann der Podcast dazu, auch eher aus dem Gefühl heraus, dass manches geschrieben werden will und anderes gesprochen. Und jetzt ist da plötzlich Musik. Wenn ich das so aufzähle, klingt das fast wie kreativer Kontrollverlust. Vielleicht ist es das sogar ein bisschen. Aber vielleicht ist genau das manchmal auch das Schöne.
Denn je länger ich darüber nachdenke, desto weniger fühlt sich das wie drei verschiedene Dinge an. Schreiben, Podcast, Musik – das ist für mich gar nicht getrennt. Das gehört zusammen. Es ist eigentlich nur Geschichtenerzählen in verschiedenen Formen. Manche Dinge wollen ein Kapitel werden. Manches im Gespräch. Und manche brauchen einen Refrain. Es gibt Gefühle, die passen nicht zwischen zwei Buchdeckel, die wollen klingen. Es gibt Gedanken, die wirken gesprochen ehrlicher als geschrieben. Und manchmal entsteht aus einer Figur, einer Szene, einem Gefühl plötzlich ein Song. Das fasziniert mich gerade komplett, weil ich merke, wie alles ineinandergreift. Meine Bücher haben längst ihren eigenen Klang. Meine Musik erzählt Geschichten. Und mein Podcast verbindet oft beides. Es fühlt sich weniger so an, als würde ich immer mehr machen, sondern eher so, als würde ich langsam begreifen, was alles zusammengehört.
Vielleicht war Musik sogar immer schon mit drin. Schreiben hatte für mich immer Rhythmus. Sprache hat Melodie. Dialoge haben Takt. Manche Kapitel rauschen fast wie ein Lied, andere schleichen leise vor sich hin. Vielleicht wundert mich deshalb im Nachhinein gar nicht, dass ich irgendwann Songs gemacht habe. Vielleicht wundert es mich eher, dass ich es nicht früher versucht habe. Und dieser Moment, mein eigenes Lied plötzlich auf einem Streamingdienst zu hören, war deshalb auch mehr als nur ein Release-Moment. Es war dieses irre Gefühl: Ich höre gerade etwas, das es ohne meinen Mut nicht gäbe. Das ging tiefer, als ich gedacht hätte.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, über den ich gerade oft nachdenke. Dieses ewige Gefühl, sich entscheiden zu müssen. Autorin oder Musikerin. Podcast oder Bücher. Als müsste man sich immer sauber einordnen lassen. Ich konnte das noch nie besonders gut. Ich passe nicht in Schubladen. War nie mein Möbelstück. Ich bin da eher Überraschungsei. Ein bisschen Buch, ein bisschen Podcast, ein bisschen Musik und meistens noch Chaos dazu. Und weißt du was? Inzwischen finde ich das ziemlich gut.
Weil Kreativität sich doch eigentlich nicht darum schert, ob etwas in eine Kategorie passt. Warum sollte eine Geschichte an einer Form enden? Warum darf ein Buch keinen Sound haben? Warum sollte ein Song nicht aus einer Romanfigur entstehen? Warum sollte ein Podcast nicht Teil derselben Welt sein? Wer legt das fest? Ich sicher nicht. Ich glaube, wir machen uns oft selbst kleiner, weil wir denken, wir müssten uns auf eins beschränken, um ernst genommen zu werden. Dabei entsteht das Eigenste vielleicht genau dann, wenn man das aufgibt.
Und ich merke gerade, wie viel Freiheit darin liegt. Nicht ständig zu fragen: Darf ich das auch noch machen? Passt das zusammen? Wirkt das professionell genug? Sondern eher: Fühlt sich das lebendig an? Wenn ja – warum nicht? Genau das ist es nämlich. Es fühlt sich lebendig an. Nicht nach Strategie. Nicht nach Content-Plan. Nicht nach „Ich muss noch dies und das machen“. Sondern nach echter Freude. Nach Entdecken. Nach Spielen. Nach Staunen. Und dieses Staunen liebe ich fast am meisten.
Weil ich wirklich manchmal dasitze und denke: Ich veröffentliche Bücher. Ich mache einen Podcast. Ich bringe Musik raus. Wie verrückt ist das eigentlich? Und gleichzeitig fühlt es sich so selbstverständlich an. Als hätte all das aufeinander gewartet. Als hätte jedes Ding dem anderen gefehlt.
Vielleicht baue ich mir gerade gar nicht verschiedene Projekte auf. Vielleicht baue ich einfach ein Universum. Mein kleines chaotisches Durcheinander aus Worten, Stimmen, Klang und viel zu vielen Ideen nachts um halb zwei. Und ganz ehrlich? Ich liebe das.
Vielleicht ist das auch das, was ich gerade lernen darf: sich nicht begrenzen, nur weil andere gern Schubladen mögen. Sondern dem folgen, was wächst.
Bei mir wachsen gerade Bücher, Podcastfolgen und Songs nebeneinander.
Und überraschenderweise fühlt sich das nicht nach zu viel an.
Sondern nach mehr ich.
Und das ist vielleicht das Schönste daran.
Scheiß auf Schubladen.
Ich bleibe ein Überraschungsei.



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