Drei Wochen bis Berlin – zwischen Vorfreude und kompletter Torschlusspanik
- Angela Ostermann

- 17. Mai
- 3 Min. Lesezeit

In ungefähr drei Wochen fahre ich zu einem Autorensalon nach Berlin und irgendwo zwischen Vorfreude, Druckproben und QR-Codes beginnt mein Gehirn langsam, komplett die Kontrolle zu verlieren.
Am Anfang klang das alles noch total weit weg. So ein „Ohhh cool, irgendwann fahre ich nach Berlin.“ Ganz entspannt. Zukunfts-Angi kümmert sich drum. Zukunfts-Angi ist organisiert. Zukunfts-Angi hat bestimmt einen Plan.
Spoiler: Zukunfts-Angi sitzt mittlerweile zwischen Papiermustern, Signierkarten und emotionalen Zusammenbrüchen wegen Druckeinstellungen.
Denn plötzlich wird alles real.
Vor nicht allzu langer Zeit waren meine Bücher einfach nur Gedanken in meinem Kopf. Geschichten zwischen Kaffee, Familienalltag und nächtlichen Schreibsessions. Dinge, die leise zuhause entstanden sind. Und jetzt plane ich plötzlich ernsthaft einen Tisch auf einem Autorensalon in Berlin.
Das klingt immer noch komplett unrealistisch.
Und ich glaube, genau das macht mir momentan so Angst.
Nicht die Fahrt. Nicht Berlin selbst. Sondern dieses Gefühl, plötzlich sichtbar zu werden.
Denn Schreiben passiert normalerweise still. Zuhause. Zwischen Chaos und Alltag. Niemand schaut dabei direkt zu. Niemand steht daneben und fragt: „Worum geht’s denn in deinem Buch?“
Und genau da beginnt übrigens mein persönlicher Endgegner.
Ich kann mein eigenes Buch nicht vernünftig erklären.
Wirklich nicht.
Andere Autoren sagen ganz souverän: „Mein Buch ist ein Fantasythriller mit romantischen Elementen.“
Und ich sitze daneben wie: „Also … da ist Trauma… und Heilung… und Schatten… und Fantasy… und emotionale Schäden… aber irgendwie auch Hoffnung…“
Und spätestens ab diesem Punkt klingt es weniger wie eine Buchbeschreibung und mehr wie eine Therapiesitzung mit magischen Wesen.
Super Werbung, Angi.
Dabei freue ich mich eigentlich wahnsinnig darauf. Wirklich. Auf Gespräche. Auf Menschen. Auf diesen ganzen verrückten Moment, in dem plötzlich echte Leser vor einem stehen könnten. Menschen, die meine Bücher tatsächlich kennen.
Allein dieser Gedanke ist komplett absurd.
Und trotzdem läuft parallel dauerhaft dieser kleine Selbstzweifel-Zirkus im Kopf.
Habe ich genug Deko? Ist mein Tisch zu langweilig? Sind Signierkarten eigentlich cool oder peinlich? Wie professionell müssen Autoren aussehen? Brauchen normale Menschen dafür perfekte Kleidung? Und warum kostet schönes Papier ungefähr den Gegenwert einer Niere?
Das sind momentan die wichtigen Fragen meines Lebens.
Ich verbringe aktuell erschreckend viel Zeit damit, Drucke anzustarren und innerlich komplett den Verstand zu verlieren, weil Farben minimal anders aussehen als auf dem Bildschirm.
Mein Drucker und ich führen inzwischen eine toxische Beziehung.
Ich bearbeite Bilder heller.Der Drucker sagt nein.
Ich ändere Kontraste.Der Drucker sagt ebenfalls nein.
Mittlerweile druckt er alles so dunkel aus, als würden meine Bücher ausschließlich in einem Kohlekeller im Schattenreich spielen.
Ich bin überzeugt davon, dass Drucker Angst riechen können.
Und während ich versuche, all diese Vorbereitungen irgendwie hinzubekommen, läuft das normale Leben natürlich einfach weiter.
Kinder brauchen Dinge. Haushalt existiert leider immer noch. Wäsche vermehrt sich nachts heimlich von alleine. Irgendjemand hat Hunger. Irgendjemand sucht irgendwas. Und mitten drin sitze ich mit offenen Tabs da und versuche herauszufinden, wie man eigentlich einen halbwegs professionellen Autorenstand organisiert, wenn man innerlich einfach nur eine kreative Chaosgoblinfrau ist.
Das ist übrigens mein offizieller mentaler Zustand momentan: leicht überfordert, koffeinhaltig und bewaffnet mit Bastelmaterial.
Und trotzdem steckt unter all dieser Panik etwas Unglaublich Schönes.
Denn ich glaube, Nervosität entsteht selten bei Dingen, die uns egal sind.
Die Angst zeigt ja eigentlich nur, wie wichtig einem etwas ist.
Und genau das ist Berlin gerade für mich.
Nicht nur irgendein Event. Sondern irgendwie ein Zeichen dafür, wie weit ich gekommen bin. Trotz Selbstzweifeln. Trotz Chaos. Trotz all der Momente, in denen ich dachte, dass das hier niemals irgendwohin führt.
Früher waren das nur Ideen in meinem Kopf. Jetzt fahre ich mit meinen Büchern nach Berlin.
Allein dieser Satz fühlt sich immer noch unwirklich an.
Vielleicht muss man auch gar nicht komplett bereit sein für solche Dinge. Vielleicht fühlen sich die wichtigen Schritte im Leben immer ein bisschen zu groß an. Vielleicht gehört genau dieses „Oh Gott, ich schaffe das nicht“ einfach dazu.
Und ganz ehrlich? Wahrscheinlich werde ich dort sitzen, innerlich komplett panisch, äußerlich mit Kaffee bewaffnet, und so tun, als hätte ich alles unter Kontrolle.
Spoiler: Habe ich nicht.
Aber bisher hat genau das erstaunlich oft funktioniert. 😄



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