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Zwischen Kritik, Absagen und meinem „Trotzdem“

  • Autorenbild: Angela Ostermann
    Angela Ostermann
  • 22. März
  • 3 Min. Lesezeit



Ich glaube, ich schreibe diesen Text heute nicht, weil alles gut läuft, sondern genau deshalb, weil es das gerade nicht tut. Nicht komplett zumindest, nicht so, wie man es sich am Anfang vielleicht vorstellt, wenn man mit etwas Eigenem rausgeht und hofft, dass es irgendwie seinen Platz findet.

Und genau diese Zwischenphasen sind es, über die man viel zu selten spricht. Dieses Dazwischen von „Ich habe angefangen“ und „Es läuft wirklich“, dieses leise Schwanken zwischen Stolz und Zweifel, zwischen Motivation und dem Gedanken, ob das alles überhaupt irgendwohin führt.

Als ich angefangen habe, zu schreiben, war das alles sehr bei mir. Es war mein Raum, mein Kopf, meine Gedanken, mein Chaos, ohne Bewertung, ohne Erwartung, ohne jemanden, der gesagt hat, ob das gut ist oder nicht. Es war einfach etwas, das ich gebraucht habe, ohne darüber nachzudenken, was andere darin sehen könnten.

Und dann kommt dieser Moment, in dem man entscheidet, das zu veröffentlichen Es nicht mehr nur für sich zu behalten, sondern zu zeigen, und genau ab da verändert sich etwas. Nicht laut, nicht plötzlich, aber spürbar.

Plötzlich ist da Kritik. Und ich hätte gern gesagt, dass ich damit von Anfang an gut umgehen konnte, aber das wäre gelogen.

Am Anfang trifft dich alles, egal ob es nett gemeint ist oder nicht, egal ob es konstruktiv ist oder einfach nur eine Meinung. Es landet irgendwo in dir und bleibt erst mal da.

Was ich lernen musste – und das war kein schneller Prozess –, ist, dass Menschen meine Texte nicht so sehen, wie ich sie geschrieben habe. Sie lesen sie durch ihre eigene Sicht, ihre eigenen Erfahrungen, ihre eigenen Erwartungen, und auch wenn das logisch ist, fühlt es sich nicht immer so an. Für mich steckt da Zeit drin, Gefühl, Nächte, in denen ich weitergeschrieben habe, obwohl ich eigentlich längst hätte schlafen sollen. Für jemand anderen ist es ein Text, den man liest und bewertet.

Und genau da musste ich anfangen, Abstand zu schaffen. Nicht jede Meinung ist für mich gedacht, nicht jede Kritik ist ein Hinweis darauf, dass ich etwas ändern muss. Manche Dinge darf ich einfach stehen lassen, ohne sie mitzunehmen.

Was mich aber mehr getroffen hat als jede Kritik, waren die Absagen. Diese ganz realen, greifbaren Momente, in denen ich versucht habe, mit meinen Büchern in die echte Welt zu gehen. Ich wollte nicht nur online existieren, nicht nur zwischen Plattformen und Zahlen, sondern irgendwo stehen, sichtbar sein, in einer Bücherei, in einem Buchladen, vielleicht sogar in einer Zeitung.

Also habe ich es versucht, habe angefragt, habe mich gezeigt, und die Antwort war in mehreren Fällen ein klares Nein. Bücherei, Buchladen, Zeitung – jedes Mal dieselbe Richtung.

Und auch wenn ich wusste, dass das passieren kann, fühlt es sich anders an, wenn es wirklich geschieht. Es ist kein Kommentar, den man wegscrollt, sondern eine Rückmeldung, die bleibt. Und in meinem Kopf hat sich sofort dieses leise Gefühl breitgemacht, dieses „Vielleicht reicht es einfach nicht“.

Ich glaube, genau das ist der schwierigste Teil daran. Nicht die Absage selbst, sondern das, was man daraus macht. Die Geschichte, die man sich darüber erzählt.

Mit etwas Abstand habe ich angefangen, zu verstehen, dass diese Absagen oft gar nichts über mich oder mein Schreiben aussagen, sondern über Strukturen, über Platz, über Sicherheit, über Bekanntheit. Ich bin neu, ich bin kein fester Name, ich bin kein Risiko, das sich automatisch lohnt. Natürlich kommt da erst mal

ein Nein.

Und trotzdem musste ich lernen, dieses Nein nicht als Urteil über mich zu sehen, sondern als Teil eines Weges, der eben nicht gerade verläuft.

Währenddessen läuft Social Media einfach weiter. Zahlen bewegen sich langsam, manchmal gefühlt gar nicht, während andere wachsen, sichtbar werden, Reichweite aufbauen. Und es ist so leicht, sich darin zu verlieren und sich zu vergleichen, ohne es wirklich zu wollen.

Ich habe irgendwann gemerkt, dass dieser Vergleich mich nicht weiterbringt, sondern eher zurückzieht. Also habe ich angefangen, es anders zu betrachten. Ich wachse nicht schnell, sondern langsam, aber dafür auf eine Weise, die sich für mich richtig anfühlt. Die Menschen, die bleiben, sind nicht zufällig da, und das ist mehr wert, als ich am Anfang verstanden habe.


Zweifel gehören trotzdem dazu. Ich glaube nicht, dass sie irgendwann komplett verschwinden. Aber ich habe aufgehört, sie als Stoppschild zu sehen. Sie sind da, aber sie entscheiden nicht mehr darüber, ob ich weitermache.

Ich bin noch nicht angekommen, wo ich hinwill, und manchmal weiß ich nicht einmal genau, wo dieses „da“ überhaupt ist. Aber ich bin unterwegs, und ich gehe weiter, Schritt für Schritt, auch wenn es langsam ist, auch wenn es sich manchmal schwer anfühlt.

Und vielleicht ist genau das mein „Trotzdem“. Nicht perfekt, nicht sicher, nicht ohne Zweifel – aber echt.

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