Zwischen Anfang und Jetzt – was in den letzten Monaten wirklich passiert ist
- Angela Ostermann

- 9. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

Wenn ich zurückblicke, fühlt es sich offen gesagt komplett unwirklich an. Nicht wie ein klarer Weg mit Anfang, Mitte und Ziel, sondern eher wie ein Stolpern nach vorne, irgendwo zwischen „Ich probier das mal“ und „Oh … ich mach das wirklich“. Vor ein paar Monaten habe ich angefangen zu schreiben, ohne Plan, ohne Ahnung, ohne irgendwas, was man „Ich weiß, was ich tue“ nennen könnte. Da war nur diese Geschichte in mir, die rauswollte, und ich habe sie einfach gelassen. Zwischen Kindern, Chaos, Alltag und viel zu wenig Schlaf habe ich geschrieben, wieder gelöscht, neu angefangen und zwischendurch öfter gedacht, dass das alles wahrscheinlich ohnehin nichts wird.
Und trotzdem bin ich drangeblieben.
Nicht, weil ich wusste, dass es funktioniert, sondern weil ich irgendwann gemerkt habe, dass ich nicht mehr aufhören will. Es ist nicht mehr nur ein „Ich probiere mal“. Es ist etwas, das sich richtig anfühlt, auch wenn es anstrengend ist, auch wenn es nervt und auch wenn ich manchmal einfach nur vor meinem Text sitze und ihn anstarre, als hätte ihn jemand anderes geschrieben. Es gab diese Momente, in denen ich komplett im Flow war, wo alles ineinandergegriffen hat, wo die Szenen einfach kamen und ich kaum hinterhergekommen bin mit Tippen. Und dann gab es die anderen Tage, an denen ich genau einen Satz geschrieben habe und danach das Gefühl hatte, ich hätte nichts geschafft.
Die letzten Wochen waren alles gleichzeitig. Motivation und Überforderung. Stolz und Zweifel. Dieses „Ich zieh das jetzt durch“ und gleichzeitig dieses leise „Was, wenn es nicht reicht?“. Feedback zu bekommen, war wahrscheinlich einer der krassesten Punkte. Zu merken, dass Menschen meine Welt betreten, dass sie fühlen, was ich geschrieben habe, dass sie Charaktere sehen, die vorher nur in meinem Kopf waren … das war surreal. Und gleichzeitig kam damit auch die Unsicherheit, dieses Vergleichen, dieses Hinterfragen, ob ich gut genug bin, ob ich mehr machen müsste, anders schreiben müsste, besser sein müsste.
Aber irgendwo dazwischen ist etwas passiert, das ich gar nicht so geplant habe: Ich habe angefangen, mich selbst ernst zu nehmen. Nicht mehr als die, die „ein bisschen schreibt“, sondern als jemand, der wirklich etwas erschafft. Und das verändert mehr, als ich gedacht hätte.
Der Alltag ist dabei übrigens nicht plötzlich leichter geworden – ganz im Gegenteil. Ich sitze immer noch dazwischen, zwischen „Mama, guck mal“, „Mama, ich hab ne Frage“ und „Schatz, kannst du mal…“, mit meinem Manuskript irgendwo dazwischen, versuche, ein Kapitel zu bearbeiten,
und werde fünfmal unterbrochen, bevor ich überhaupt wieder in den Text finde. Und ja, es gibt Tage, da funktioniert es einfach nicht. Da bleibt alles liegen, da komme ich nicht rein, da sagt mein Kopf einfach nein. Früher hätte ich genau da aufgehört oder mir eingeredet, dass ich es nicht kann. Heute mache ich trotzdem weiter. Vielleicht nicht an dem Tag, vielleicht nicht in dem Moment, aber ich komme zurück.
Und das ist, glaube ich, der größte Unterschied zu früher.
Ich bin jetzt an einem Punkt, den ich am Anfang nicht mal richtig greifen konnte. Ein veröffentlichtes Buch. Ein zweites, das gerade entsteht. Menschen, die es lesen, die reagieren, die mir schreiben. Und ich sitze hier und denke mir immer noch manchmal: Wie ist das eigentlich passiert? Ich bin nicht plötzlich jemand anderes geworden. Ich bin immer noch ich, mit Chaos, mit Zweifeln, mit zu wenig Zeit und zu vielen Gedanken. Aber ich habe aufgehört zu warten, bis ich bereit bin.
Vielleicht ist genau das der Punkt. Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen oder den richtigen Moment abzupassen. Es geht darum, anzufangen, dranzubleiben und sich selbst unterwegs nicht wieder kleinzureden. Diese letzten Wochen haben mir nicht gezeigt, dass ich alles kann oder dass ich alles richtig mache. Sie haben mir gezeigt, dass ich es trotzdem tue.
Und manchmal reicht genau das.



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