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Zwischen Hilfe, Chaos und dem ganz normalen Leben

  • Autorenbild: Angela Ostermann
    Angela Ostermann
  • 14. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Eigentlich hatte ich für die letzten Tage ganz andere Pläne. Ich wollte schreiben, Podcastfolgen aufnehmen und mich um die üblichen Projekte kümmern, die sich bei mir grundsätzlich schneller vermehren als die Wäschekörbe im Haus.

Stattdessen saß ich vor ein paar Tagen bei meinem Arzt und musste mir eingestehen, dass gerade nichts mehr geht. Es war einfach der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich nicht mehr die Kraft habe, alles alleine zu tragen.

Also kam ich für ein paar Tage in eine psychiatrische Klinik.

Wenn man an eine Klinik denkt, hat man oft irgendwelche Bilder aus Filmen im Kopf.

Die Realität war deutlich unspektakulärer. Vor allem war sie ruhig. Vielleicht sogar zu ruhig. Zuhause ist bei uns immer etwas los. Irgendjemand möchte etwas, die Katzen haben ihre eigene Vorstellung von Aufmerksamkeit und in meinem Kopf laufen grundsätzlich mehrere Projekte gleichzeitig. Plötzlich fiel all das weg und ich musste feststellen, dass mein Kopf offenbar eine ganze Menge Gedanken gesammelt hatte, die er jetzt unbedingt loswerden wollte.

Dort wurde mir etwas klar, das eigentlich offensichtlich klingt: Ich hatte so lange funktioniert, dass ich irgendwann vergessen hatte, wie sich Leben eigentlich anfühlt.

Von außen sah alles normal aus. Die Kinder waren versorgt, die Tiere hatten Futter, die Bücher wurden geschrieben und der Podcast lief weiter. Aber nur weil man funktioniert, bedeutet das nicht automatisch, dass es einem gut geht.

Ich glaube, genau das übersehen viele von uns. Man gewöhnt sich daran, müde zu sein. Man gewöhnt sich daran, ständig unter Strom zu stehen. Und irgendwann hält man diesen Zustand für normal.

Dabei war ich nicht einfach nur müde. Ich war erschöpft. Das ist für mich inzwischen ein großer Unterschied. Müde wird man nach einer schlechten Nacht. Erschöpft wird man, wenn man zu lange versucht hat, alles gleichzeitig zu tragen.

Was mich überrascht hat, war, wie sehr ich mein Zuhause vermisst habe. Natürlich meine Kinder und meinen Mann. Aber auch all die kleinen Dinge, über die ich im Alltag regelmäßig schimpfe. Das Chaos auf dem Küchentisch. Den Kaffee, den ich dreimal aufwärmen muss. Die Katzen, die genau dann Aufmerksamkeit wollen, wenn ich eigentlich etwas anderes vorhabe.

Diese ganz normalen Dinge, die einen manchmal in den Wahnsinn treiben und die plötzlich fehlen, sobald sie nicht mehr da sind.

Vielleicht musste ich tatsächlich erst weg sein, um das wieder zu sehen.

Ich bin nicht aus der Klinik gekommen und plötzlich war alles gut. So funktioniert das Leben leider nicht. Aber ich habe etwas Wichtiges mitgenommen: Niemand bekommt einen Preis fürs Durchhalten. Es gibt keinen Pokal dafür, dass man alle Warnzeichen ignoriert hat und trotzdem weitergemacht hat.

Und trotzdem verhalten sich viele von uns genau so.

Heute glaube ich, dass Stärke nicht immer bedeutet, weiterzumachen. Manchmal bedeutet Stärke, sich einzugestehen, dass etwas gerade zu viel geworden ist. Manchmal bedeutet Stärke, Hilfe anzunehmen. Und manchmal bedeutet Stärke einfach nur, ehrlich zu sagen:

"Ich kann gerade nicht mehr."

Falls ihr euch gefragt habt, warum es hier in letzter Zeit so ruhig war, dann kennt ihr jetzt die Antwort. Ich war nicht verschwunden. Ich habe nur kurz versucht, wieder Luft zu holen.

Und jetzt bin ich wieder da. Mit meinen Büchern. Mit meinem Podcast. Mit meinem Chaos. Mit meinem viel zu oft kalten Kaffee.

Und ganz ehrlich?

Genau da möchte ich gerade sein.

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