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Zwischen Kinderstreit und Chaos – warum gerade kein Wort aufs Papier will

  • Autorenbild: Angela Ostermann
    Angela Ostermann
  • 3. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Es gibt diese Tage, da nehme ich mir vor zu schreiben. Nicht viel. Kein großes Kapitel, kein perfekter Plot, kein literarisches Meisterwerk. Einfach nur ein paar Worte. Ein Anfang vielleicht. Oder ein Gedanke, den ich festhalten will, bevor er wieder im Alltag untergeht.

Und dann passiert… Leben.

Kinderstreit ist laut. Nicht nur im Raum, sondern auch im Kopf. Dieses ständige „Mama!“, dieses Klären, Vermitteln, Trösten, Erklären – und während du noch versuchst, gerecht zu sein, bist du innerlich schon völlig erschöpft. Nicht, weil es schlimm ist. Sondern weil es konstant ist. Weil es keine Pause-Taste gibt.

Und Schreiben braucht genau das Gegenteil.

Ruhe. Raum. Einen klaren Gedanken, der nicht mitten im Satz unterbrochen wird, weil jemand weint, schreit oder dringend wissen muss, wer jetzt angefangen hat.

Ich merke gerade, wie schwer es ist, diesen Raum überhaupt zu finden. Nicht nur physisch, sondern auch mental. Selbst wenn es still ist, ist es nicht wirklich still. Mein Kopf läuft weiter. To-Do-Listen, Gespräche, Situationen, die noch nachhallen. Und irgendwo dazwischen sitzt dieser kleine kreative Funke und wartet darauf, dass ich ihn endlich wieder sehe.

Aber ich sehe ihn gerade nicht immer.

Und das ist der Punkt, über den ich heute sprechen will.

Früher dachte ich, Schreiben braucht Disziplin. Hinsetzen, machen, durchziehen. Egal wie. Und ja, ein Teil davon stimmt. Aber ein anderer Teil ist… ehrlich gesagt viel zerbrechlicher.

Kreativität lässt sich nicht anschreien.

Sie kommt nicht, wenn du zwischen Tür und Angel versuchst, noch schnell ein paar Sätze rauszupressen, während im Hintergrund zwei Kinder darüber diskutieren, wer den größeren Keks hatte. Sie kommt nicht, wenn dein Kopf voll ist und dein Nervensystem eigentlich nur noch nach Ruhe schreit.

Und trotzdem sitzt da dieser Druck.

Dieses „Ich müsste doch eigentlich…“.

Ich müsste schreiben. Ich müsste weitermachen. Ich müsste produktiv sein.

Aber vielleicht ist genau das das Problem.

Vielleicht ist diese Phase gerade nicht dafür da, viel zu produzieren. Vielleicht ist sie dafür da, zu erleben. Zu fühlen. Auch wenn es anstrengend ist. Auch wenn es laut ist und chaotisch und manchmal einfach zu viel.

Denn genau daraus entstehen später die echten Texte.

Nicht aus perfekten, stillen Momenten – sondern aus dem echten Leben. Aus Konflikten, aus Müdigkeit, aus diesem ständigen Balancieren zwischen „Ich will kreativ sein“ und „Ich bin einfach gerade nur Mama“.

Ich merke, dass ich lernen muss, mir das zu erlauben. Nicht jeden Tag liefern zu müssen. Nicht jeden Gedanken sofort in Worte pressen zu müssen. Sondern auch mal zu sagen: Heute passiert nichts auf dem Papier. Und das ist okay.

Denn es passiert trotzdem etwas.

In mir. In meinem Blick auf die Dinge. In den kleinen Momenten zwischen Streit schlichten und Abendessen machen, in denen ich plötzlich einen Satz im Kopf habe, der vielleicht morgen wichtig wird.

Oder nächste Woche.

Oder irgendwann.

Und vielleicht ist das gerade die ehrlichste Form von Schreiben, die ich habe: nicht die, die man sieht – sondern die, die im Hintergrund entsteht.

Leise. Zwischen Chaos und Alltag. Unfertig, aber echt.

 
 
 

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